Das PERMA-Modell von Martin Seligman: Der Guide zu nachhaltigem Wohlbefinden

Was macht ein gutes Leben aus? Die positive Psychologie liefert seit 2011 eine wissenschaftlich gut validierte Antwort: das PERMA-Modell von Martin Seligman. Statt sich – wie die klassische Psychologie – nur auf das zu konzentrieren, was Menschen krank macht, fragt Seligman: *Was lässt Menschen aufblühen?* Antwort: fünf messbare Säulen, die zusammen Flourishing ergeben.
Dieser Guide erklärt jede Säule, zeigt dir einen kurzen PERMA-Selbsttest und übersetzt das Modell in konkrete Coaching- und Führungspraxis.
Die Kurzantwort vorweg
PERMA steht für die fünf Säulen nachhaltigen Wohlbefindens:
• P – Positive Emotions (Positive Emotionen)
• E – Engagement (Flow & Aufgehen in Aktivität)
• R – Relationships (Tragfähige Beziehungen)
• M – Meaning (Sinn & Zugehörigkeit zu etwas Grösserem)
• A – Accomplishment (Leistung & Zielerreichung)
Jede Säule lässt sich eigenständig messen, trainieren und stärken – und alle zusammen erklären besser, was ein erfülltes Leben ausmacht als reines „Glücksempfinden“.
Woher kommt das PERMA-Modell?
Martin Seligman, ehemaliger Präsident der American Psychological Association und Gründer der Positiven Psychologie, veröffentlichte 2011 in seinem Buch *Flourish* einen Paradigmenwechsel: Wohlbefinden ist nicht identisch mit „sich gut fühlen“. Wohlbefinden ist ein Konstrukt aus mehreren, eigenständigen Komponenten – und genau diese fünf Komponenten bilden PERMA ab.
Vor PERMA hatte Seligman ein älteres, dreiteiliges Modell („Authentic Happiness“) vertreten. Die Forschung der folgenden Jahre zeigte, dass Beziehungen, Sinn und Leistung zu wichtig sind, um sie als blosse Quellen positiver Emotionen abzutun. PERMA macht sie zu eigenständigen Säulen.
Mehr Hintergrund zur Disziplin: Positive Psychologie im Coaching.
Die fünf Säulen im Detail
P – Positive Emotionen
Positive Emotionen sind mehr als gute Laune. Barbara Fredricksons *Broaden-and-Build-Theorie* zeigt: Freude, Dankbarkeit, Hoffnung, Stolz, Heiterkeit oder Inspiration erweitern unsere Denk- und Handlungsspielräume und bauen langfristig psychologische Ressourcen auf – Resilienz, Kreativität, soziale Bindungen.
Konkret im Alltag:
• Tägliches Dankbarkeitsritual (3 Dinge, die heute gut waren)
• Savoring: bewusst positive Momente länger auskosten
• Negative Selbstgespräche aktiv stoppen und umformulieren
Vertiefend: Negative Gedanken stoppen.
E – Engagement (Flow)
Engagement beschreibt jenen Zustand, den Mihály Csíkszentmihályi als *Flow* bekannt gemacht hat: völliges Aufgehen in einer Tätigkeit, die uns fordert, aber nicht überfordert, mit klaren Zielen und sofortigem Feedback. Im Flow vergeht die Zeit „wie im Flug“, das Ich-Erleben tritt in den Hintergrund.
Voraussetzung: Wir nutzen unsere Top-Stärken – nicht unsere Schwächen. Das ist der direkte Brückenschlag zu CliftonStrengths® und der Stärkenforschung.
Konkret im Alltag:
• Tagesplan so bauen, dass mind. 60 Minuten Stärken-Arbeit drin sind
• Mikro-Unterbrechungen (Slack, Mail) während Flow-Phasen blocken
• Schwierigkeitsgrad bewusst justieren – zu leicht = Langeweile, zu schwer = Angst
Vertiefend: Stärken finden – so entdeckst du deine Talente und Die 4 Domänen von CliftonStrengths.
R – Relationships (Beziehungen)
Die Harvard Study of Adult Development (seit 1938 laufend) hat eine der robustesten Erkenntnisse der Sozialwissenschaft hervorgebracht: Qualität der Beziehungen ist der stärkste einzelne Prädiktor für Lebenszufriedenheit und körperliche Gesundheit – stärker als Einkommen, Bildung oder Gene.
Seligman macht Beziehungen daher zu einer eigenständigen Säule: Menschen sind soziale Wesen. Wohlbefinden ohne tragende Beziehungen ist langfristig kaum möglich.
Konkret im Alltag:
• Active Constructive Responding: auf gute Nachrichten anderer aktiv & interessiert reagieren
• Wertschätzung explizit aussprechen – nicht nur denken
• Bewusste Pflege von 3–5 Schlüsselbeziehungen statt Streuverlust
Vertiefend: Beziehungen stärken mit Profilingvalues und Psychologische Sicherheit in Teams.
M – Meaning (Sinn)
*Meaning* bedeutet: das Gefühl, etwas Grösserem als sich selbst zu dienen – einer Idee, einem Anliegen, einer Gemeinschaft, einer Berufung. Viktor Frankl hatte das Jahrzehnte vor Seligman beschrieben („Der Mensch sucht nicht primär Lust, sondern Sinn“). PERMA integriert diese Linie wissenschaftlich.
Sinn unterscheidet sich von positiven Emotionen: Eltern berichten oft viel Sinn, aber phasenweise wenig positive Emotionen. Burnout-Prävention läuft fast immer über Sinn-Klärung – nicht über mehr Wellness.
Konkret im Alltag:
• Purpose-Statement für die eigene Rolle schreiben (1 Satz)
• Wöchentliche Frage: *Wofür hat das, was ich diese Woche getan habe, jemandem genutzt?*
• Werte explizit machen – siehe Profilingvalues
Vertiefend: Berufung finden – der vollständige Guide und Purpose im Unternehmen entwickeln.
A – Accomplishment (Leistung)
Die fünfte Säule ist die am häufigsten missverstandene. Es geht nicht um Statussymbole, Titel oder Vergleich. Es geht um das Gefühl, etwas geschafft zu haben – auch wenn niemand sonst es sieht. Menschen brauchen Wirksamkeit: die Erfahrung, dass eigene Anstrengung zu einem Ergebnis führt.
Seligman zeigt: Ziele setzen, Fortschritt sichtbar machen, Erfolge anerkennen ist eine eigenständige Wohlbefindens-Quelle – auch wenn die Tätigkeit selbst keinen Flow auslöst.
Konkret im Alltag:
• Wöchentliche „Done-Liste“ statt nur To-do-Liste
• SMARTe Ziele in 90-Tage-Etappen brechen
• Erfolge bewusst feiern, nicht sofort zum nächsten Punkt springen
Vertiefend: SMARTe Ziele setzen und Stärken Coaching Wirkung.
Kurzer PERMA-Selbsttest
Bewerte jede Säule ehrlich auf einer Skala von 1 (sehr niedrig) bis 10 (sehr hoch):
1. Positive Emotionen: Wie oft erlebe ich in einer typischen Woche Freude, Dankbarkeit, Hoffnung?
2. Engagement: Wie oft erlebe ich Flow bei dem, was ich tue?
3. Relationships: Wie tragfähig und nährend sind meine 3–5 wichtigsten Beziehungen?
4. Meaning: Wie klar ist mir, *wozu* ich tue, was ich tue?
5. Accomplishment: Wie oft habe ich das Gefühl, etwas wirklich geschafft zu haben?
Auswertung: Die niedrigste Säule ist meist dein grösster Hebel. Statt überall ein bisschen besser zu werden, lohnt es sich, drei Monate fokussiert an einer Säule zu arbeiten.
PERMA und Stärken: warum CliftonStrengths® so gut dazupasst
Seligman selbst hebt hervor: Die konsequente Nutzung der eigenen Top-Stärken korreliert direkt mit allen fünf PERMA-Säulen – am stärksten mit *Engagement* und *Accomplishment*, deutlich aber auch mit *Positive Emotions* und *Meaning*.
Genau hier setzt unsere Arbeit an: Wer seine Top-5 CliftonStrengths® kennt und im Alltag bewusst einsetzt, verschiebt sein PERMA-Profil messbar nach oben. Wer dazu noch seine Werte (Profilingvalues) klärt, erhöht die Säule *Meaning* zusätzlich.
Vertiefend: Gallup CliftonStrengths vs. High5 Test und Stärkenbasierte Führung.
PERMA in der Führung
Für Führungskräfte ist PERMA eine Diagnose-Brille für Teams:
• Positive Emotions: Wie ist die Stimmung in Meetings – wie oft wird gelacht, gelobt, gedankt?
• Engagement: Arbeiten die Menschen in ihren Stärken – oder in fremden Schuhen?
• Relationships: Gibt es psychologische Sicherheit – darf man sich zeigen?
• Meaning: Verstehen alle, *wozu* das Team existiert?
• Accomplishment: Werden Erfolge sichtbar gemacht und gefeiert?
Teams, die in allen fünf Säulen gut aufgestellt sind, zeigen in der Forschung höheres Engagement, geringere Fluktuation und bessere Geschäftsergebnisse (vgl. Gallup Q12-Studien).
Vertiefend: Gallup Assessments – CliftonStrengths & Q12 und Stärkenbasierte Teamführung.
PERMA in einem 1:1-Coaching anwenden
Im Coaching nutzen wir PERMA als roten Faden für eine erste Standortbestimmung:
1. PERMA-Score der letzten 3 Monate – ehrlich, nicht beschönigend.
2. Stärkstes & schwächstes Element identifizieren.
3. Hypothese bilden, welche Stärken das schwächste Element heben können.
4. Drei konkrete 90-Tage-Experimente definieren.
5. Alle 2 Wochen Review – PERMA-Score neu erheben, Anpassungen vornehmen.
Dieser Ansatz ist die Basis unseres Stärken Durchbruchs Coachings und der Stärken Masterclass.
Häufige Missverständnisse
„PERMA bedeutet, immer glücklich zu sein.“ Nein. Positive Psychologie negiert keine schwierigen Emotionen. PERMA misst, wie reich und tragfähig dein Leben insgesamt ist – nicht, ob du heute morgen gute Laune hattest.
„Wenn ich an einer Säule arbeite, leiden die anderen.“ Im Gegenteil: Säulen verstärken sich gegenseitig. Wer Beziehungen pflegt, erlebt mehr positive Emotionen. Wer in Stärken arbeitet, erlebt mehr Sinn.
„PERMA ist Selbstoptimierung.“ PERMA ist das Gegenteil von Leistungs-Selbstoptimierung. Eine der fünf Säulen ist *Beziehungen*, eine andere *Sinn*. Das ist mehr als Self-Tracking.
Fazit
Das PERMA-Modell ist heute der wissenschaftlich am besten validierte Rahmen für die Frage „Was macht ein gutes Leben aus?“. Es bietet:
• eine messbare Sprache für Wohlbefinden,
• fünf konkrete Hebel, an denen sich arbeiten lässt,
• eine direkte Brücke zu Stärken-, Werte- und Sinn-Arbeit,
• ein Diagnose-Werkzeug für Führungskräfte und Teams.
Wenn du wissen willst, welche deiner fünf PERMA-Säulen dein grösster Hebel ist und wie deine Top-Stärken dort konkret helfen können, sprich kurz mit uns. Wir nehmen uns 30 Minuten Zeit, hören zu und geben dir eine ehrliche Einordnung – ohne Verkaufsdruck.
Weiterführende Artikel
• Positive Psychologie im Coaching
• Berufung finden – der vollständige Guide
• Stärken finden – so entdeckst du deine Talente
• Gallup CliftonStrengths vs. High5 Test
Häufige Fragen zum PERMA-Modell
Was bedeutet PERMA in der Positiven Psychologie?
PERMA ist ein Akronym aus den fünf empirisch validierten Säulen des Wohlbefindens nach Martin Seligman: Positive Emotions (positive Gefühle), Engagement (Vertiefung und Flow), Relationships (tragfähige Beziehungen), Meaning (Sinn) und Accomplishment (das Erleben von Zielerreichung). Gemeinsam beschreiben sie, was ein erfülltes Leben ausmacht – jenseits von kurzfristigem Glück.
Wer hat das PERMA-Modell entwickelt?
Das PERMA-Modell wurde 2011 vom US-Psychologen Martin Seligman, Begründer der Positiven Psychologie und langjähriger Direktor des Positive Psychology Center an der University of Pennsylvania, in seinem Buch *Flourish* vorgestellt. Es löste seine frühere Glücks-Trias (*Pleasant, Engaged, Meaningful Life*) ab und gilt heute als wissenschaftlich am besten validierter Rahmen für Wohlbefinden.
Wie wende ich PERMA im Alltag an?
Der einfachste Einstieg ist der PERMA-Selbsttest: jede Säule auf einer Skala von 1 bis 10 ehrlich bewerten und die schwächste Säule als Fokus für die nächsten 90 Tage wählen. Konkrete Hebel sind z. B. eine wöchentliche Dankbarkeits-Notiz (P), Flow-Zeiten schützen (E), drei Schlüsselbeziehungen aktiv pflegen (R), ein Purpose-Statement formulieren (M) und Erfolge mit einer „Done-Liste“ sichtbar machen (A).
Was ist der Unterschied zwischen PERMA und Glück?
Glück ist meist ein kurzfristiger Gefühlszustand – PERMA beschreibt dauerhaftes Wohlbefinden (Flourishing). Während Glücksforschung vor allem auf positive Emotionen schaut, integriert PERMA bewusst auch *Sinn*, *Beziehungen* und *Zielerreichung*. Eltern oder Pflegende erleben oft hohen Sinn, aber nicht immer hohe positive Emotion – PERMA macht solche Lebensphasen messbar und gestaltbar.
Wie hängt PERMA mit CliftonStrengths® zusammen?
Seligman selbst betont: die konsequente Nutzung der Top-Stärken korreliert mit allen fünf PERMA-Säulen – besonders mit *Engagement* und *Accomplishment*. Wer seine Top-5 CliftonStrengths® kennt und bewusst einsetzt, hebt sein PERMA-Profil messbar an. In unserem Stärken Durchbruchs Coaching verbinden wir PERMA, CliftonStrengths® und Profilingvalues zu einem Diagnose- und Entwicklungsrahmen.
Quellen
• Seligman, M. E. P. (2011). *Flourish: A Visionary New Understanding of Happiness and Well-being.* Free Press.
• Fredrickson, B. L. (2001). *The role of positive emotions in positive psychology: The broaden-and-build theory of positive emotions.* American Psychologist, 56(3), 218–226.
• Csíkszentmihályi, M. (1990). *Flow: The Psychology of Optimal Experience.* Harper & Row.
• Waldinger, R., & Schulz, M. (2023). *The Good Life: Lessons from the World's Longest Scientific Study of Happiness.* Simon & Schuster.
• Butler, J., & Kern, M. L. (2016). *The PERMA-Profiler: A brief multidimensional measure of flourishing.* International Journal of Wellbeing, 6(3), 1–48.
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